Seit einigen Jahren zeigen Angehörigenbegleiter in der ambulanten und stationären Psychiatrie in Hamburg, dass es ein großer Gewinn für Angehörige sein kann, von geschulten Angehörigen bei ihren Lebensprozessen begleitet zu werden. Die Angehörigenbegleitung vervollständigt die Hilfen für Familien mit seelischen Erkrankungen und stellt die persönliche und individuelle Lebenssituation der Angehörigen in den Mittelpunkt.
Bisher wurden Angehörige eher als »Anhängsel« und nicht als eigenständige Personen mit eigenem Lebensentwurf wahrgenommen. Gerade dort aber, wo psychisch Erkrankte in ihrem Alltag von Angehörigen eng begleitet werden, wäre ein Gesprächsangebot für betroffene Angehörige sinnvoll und hilfreich. Über Kummer, Zweifel und auch Wut in einem intimen Gesprächsrahmen sprechen zu können und sich dabei der Solidarität des Gegenübers sicher sein zu können, verhilft zu der Zuversicht, die Angehörige so dringend brauchen. Und es hilft Ihnen, sich aus der Erstarrung und Fixierung auf das Leid allmählich zu lösen und das eigene Leben wiederzuentdecken. Allein auf sich gestellt, schafft dies kaum jemand. Das wissen Angehörigen theoretisch auch, aber um diese Erkenntnis auch leben zu können, brauchen sie eine solidarische und verbindliche Unterstützung.
Dazu wurden unter anderem in Hamburg Angehörigenkurse entwickelt und erprobt. Diese Praxis sollte bundesweit zum Standard werden. Als Qualitätsmerkmal könnte die Angehörigenbegleitung für eine trialogische und recoveryorientierte Psychiatrie bürgen.